Entstehung des Berufsbilds
Die Anthroposophische Kunsttherapie wurde aus Impulsen entwickelt, die Rudolf Steiner mit seiner anthroposophischen Menschenkunde am Umbruch des 19. ins 20. Jahrhundert für die Pädagogik, Heilpädagogik, Medizin und die Künste gab.
In seinem Vortragswerk beschrieb Steiner differenziert die im Menschen und in den verschiedenen Künsten wirksamen Gesetzmäßigkeiten. Auf dieser Basis konnten zunächst künstlerische Übungen zur Förderung des gesunden Wechselspiels von Leib, Seele und Geist eingesetzt werden.
Erste klinische Anwendung fanden künstlerische Mittel und Prozesse der Malerei und Plastik ab 1921 im Klinisch-Therapeutischen Institut, Arlesheim, Schweiz, unter Anleitung von Dr. Ita Wegman. Ab 1927 entwickelte Dr. Margarethe Stavenhagen-Hauschka diesen Ansatz weiter. Später erschlossen Pioniere wie Dora Gutbrod und Christa Slezac- Schindler von Rudolf Steiner um 1919 gegebene Sprechübungen für die Therapie mit gestalteter Sprache.
Erste therapeutische Einsätze der Musik erfolgten in der Heilpädagogik: 1926 veröffentlichte Edmund Pracht über Entwicklung und Einsatz der Leier, 1927 Dr. Julia Bort über die Musik in der Heilpädagogischen Praxis. In Zusammenarbeit mit Ärzten entwickelte Maria Schüppel ihren anthroposophischen Ansatz zur Musiktherapie in Heilpädagogik, Psychiatrie und in der Inneren Medizin.
Den ersten Ansatz zu einer Beschreibung des Berufsbilds machte 1978 das Ehepaar Pütz unter der Prägung des Begriffs "Kunsttherapie". Sie beschrieben den Bildenden Künstler, der aufgrund seiner Meisterlehre in der Lage ist, mit der Kunst in pädagogischen, sozialtherapeutischen und klinischen Feldern harmonisierend und gesundheitsfördernd tätig zu werden.
1996 wurden erstmalig alle kunstspezifischen Fachbereiche in einem interdisziplinären Berufsbild zusammengefasst und als Berufsbild des Anthroposophischen Kunsttherapeuten der Fachbereiche Malerei, Musik, Plastik und Sprachgestaltung von der Mitgliederversammlung des BVAKT verabschiedet. Basis hierfür bildete die gemeinsame Grundlagenausbildung in anthroposophischer Menschenkunde, Medizin und Pathologie sowie der menschenkundlich fundierte therapeutisch gezielte Einsatz der künstlerischen Mittel und Prozesse.
2004 wurde vom Schweizer Verband für Anthroposophische Kunsttherapie e.V. (SVAKT) und dem deutschen Berufsverband für Anthroposophische Kunsttherapie e.V. (BVAKT) eine Aktualisierung des Berufsbilds erarbeitet. In den Prozess der Beschreibung und Abstimmung waren einbezogen: die Medizinische Sektion, die Sektion für Sozialwissenschaft, die Sektion für Redende und Musizierende Künste sowie die Sektion für Bildende Kunst an der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft am Goetheanum in Dornach, Schweiz.
Als Grundlage dienten die Gesamtdokumentation zur Methode der Anthroposophischen Kunsttherapie, die als Ergebnis einer 10-jährigen internationalen Zusammenarbeit Anthroposophischer Kunsttherapeuten und Anthroposophischer Kunsttherapeutinnen an der Medizinischen Sektion veröffentlicht wurde und die Definition der Anforderungen an Handlungskompetenzen, wie sie zur professionellen Anwendung der Anthroposophischen Kunsttherapie ausgebildet sein müssen.
Dieses Berufsbild besteht aus einer Synopse der für alle Fachbereiche der Anthroposophischen Kunsttherapie erforderlichen Handlungskompetenzen und den hiervon abgeleiteten Beschreibungen kunstspezifischer Fach- und Methodenkompetenzen. Es kann und soll durch zukünftige Erfahrungen und Entwicklungen weiterbeschrieben werden.
